Alfa Romeo Pescara 6C 2300B: Seltener Oldtimer mit Porsche-Patent
Manche Fahrzeuge erzählen nicht nur die Geschichte ihres Herstellers, sondern auch die Geschichte der Menschen, die sie besaßen und fuhren. Der Alfa Romeo Pescara 6C 2300B in der Sammlung des fahr(T)raum ist genau so ein Fahrzeug – ein sensationeller Wagen mit seltener Werkskarosserie, eng verknüpft mit dem Namen Ferdinand Porsche.
Auf einen Blick
- Modell: Alfa Romeo 6C 2300B Pescara
- Baujahr: 1937
- Leistung: 95 PS
- Hubraum: 2.309 ccm
- Gewicht: 1.400 kg
- Höchstgeschwindigkeit: 145 km/h
- Besonderheit: Drehstabfederung nach Ferdinand Porsche
- Produktionszahl Limousine: nur etwa ein Dutzend weltweit
Vom Honorar zum Familienfahrzeug: Die Geschichte hinter dem Wagen
Statt einer klassischen Bezahlung erhielt Ferdinand Porsche der Überlieferung nach diesen Alfa Romeo einst als „Lohn“ für eine seiner bedeutendsten Erfindungen. Gemeinsam mit seinem Enkel Ernst Piëch unternahm er so manche zügige Ausfahrt in die Berge – mit einem Fahrzeug, das selbst zur Bühne seiner eigenen Innovation wurde.
Die Alfa Romeo 6C-Modellreihe: Sportlichkeit aus Italien
Die 6C-Baureihe von Alfa Romeo wurde 1925 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt und ab 1927 verkauft. Das Kürzel 6C steht für „sei cilindri“, also sechs Zylinder. Im Laufe der Jahre wuchs der Hubraum kontinuierlich:
- 1925: Einführung mit 1.500 ccm
- Spätere Modelle: Erweiterung auf bis zu 2.300 ccm
- Ab 1933: Beginn der werkseigenen Karosserieproduktion bei Alfa Romeo
Der 2300 B Pescara: Technische Weiterentwicklung
Von 1935 bis 1937 entstand in einer Auflage von rund 115 Exemplaren der 2300 B Pescara, benannt nach dem berühmten italienischen Rennstreckenort. Die wichtigsten Neuerungen gegenüber dem Vorgänger:
- Vier einzeln aufgehängte Räder statt starrer Achsen
- Leistungssteigerung von 76 PS auf 95 PS durch zwei Vergaser
- Identischer Radstand von 3.000 mm wie beim 2300 B Gran Turismo
- Sportlicher Charakter bei luxuriöser Ausstattung
Das Ergebnis war ein sportlicher Luxuswagen, dem die Konkurrenz der damaligen Zeit kaum etwas entgegenzusetzen hatte.
Warum dieses Fahrzeug so selten ist
Werkseitig wurden nur etwa ein Dutzend Fahrzeuge mit der Limousinenkarosserie ausgeliefert. Überlebt haben davon noch weniger – aus zwei Gründen:
- Die geringe Ursprungsstückzahl
- Spätere Umbauten zu sportlichen Cabriolets, wodurch Original-Limousinen verschwanden
Die Drehstabfederung: Porsches Erfindung, die den Automobilbau revolutionierte
Am 10. August 1931 meldete Ferdinand Porsche eine Erfindung zum Patent an, die den Fahrzeugbau weltweit nachhaltig verändern sollte: die Drehstabfederung.
Das Problem mit klassischen Blattfedern
Bis dahin basierten gängige Fahrwerke auf schweren, ausladenden Blattfedern, die noch aus dem klassischen Kutschenbau stammten – schwer, sperrig und wenig effizient.
Die Lösung: Schlanke Drehstäbe statt Blattfedern
Porsches Drehstäbe ließen sich schlank und platzsparend verbauen – längs oder quer – und wurden über den Hebelarm einer Federstrebe mit der Achse verbunden. Die Vorteile auf einen Blick:
- Platzsparend: deutlich kompaktere Bauweise als Blattfedern
- Leichter: Gewichtsreduktion im Vergleich zu klassischen Federsystemen
- Bessere Bodenhaftung: optimierter Kontakt zur Fahrbahn auf unebenem Untergrund
- Geringere Wankneigung: stabileres Kurvenverhalten
Eine Innovation, die bis heute in modifizierter Form in zahlreichen Fahrzeugen zum Einsatz kommt.
Technische Daten im Überblick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Baujahr | 1937 |
| Leistung | 95 PS (93 HP) |
| Hubraum | 2.309 ccm |
| Gewicht | 1.400 kg |
| Höchstgeschwindigkeit | 145 km/h (90 mph) |
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet „6C“ bei Alfa Romeo?
Das Kürzel 6C steht für das italienische „sei cilindri“, also sechs Zylinder – ein zentrales technisches Merkmal dieser Modellreihe.
Was ist eine Drehstabfederung?
Die Drehstabfederung ist eine von Ferdinand Porsche 1931 patentierte Fahrwerkstechnik, bei der schlanke Drehstäbe statt schwerer Blattfedern zur Radfederung eingesetzt werden – platzsparender, leichter und mit besserer Bodenhaftung.
Wie viele Alfa Romeo Pescara wurden gebaut?
Von 1935 bis 1937 entstanden rund 115 Exemplare des 2300 B Pescara, davon nur etwa ein Dutzend mit der originalen Limousinenkarosserie.
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